Wie und wann melde ich ein Gewerbe an?

Du willst ein eigenes Business starten und fragst dich: Was genau ist ein Gewerbe, wann muss ich es anmelden und wie läuft das Ganze eigentlich ab? In diesem Artikel bekommst du einen klaren Überblick über die wichtigsten Schritte, ohne Juristendeutsch und ohne unnötige Verwirrung.

Keine Lust zu lesen? Jetzt YouTube-Video zum Thema anschauen.

Wichtiger Hinweis: Diese Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Für individuelle Fragen wende dich bitte an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.

Was ist ein Gewerbe?

Ein Gewerbe ist im Grunde jede selbstständige, auf Dauer angelegte Tätigkeit, die du mit der Absicht betreibst, Gewinn zu erzielen.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Online-Shops

  • Dienstleistungen aller Art

  • Handwerksbetriebe

  • Beratungsangebote (soweit nicht freiberuflich)

Abgegrenzt wird das von freien Berufen, wie z. B.:

  • Ärzte

  • Journalisten

  • bestimmte Berater

  • Designer oder Grafiker (unter bestimmten Voraussetzungen)

Freiberufler melden oft kein Gewerbe, sondern sich direkt beim Finanzamt an. Ob du freiberuflich oder gewerblich tätig bist, klärst du im Zweifel mit dem Finanzamt oder einem Steuerberater.

Wann muss ich ein Gewerbe anmelden?

Grundsätzlich gilt: Sobald du regelmäßig Leistungen oder Produkte gegen Geld anbietest, musst du ein Gewerbe anmelden. Egal ob nebenberuflich oder hauptberuflich.

Wichtige Punkte:

  • Einmalige Verkäufe (z. B. Flohmarkt, Vinted) sind meist kein Gewerbe

  • Wenn du aber dauerhaft Einnahmen erzielen willst, ist es ein Gewerbe

  • Auch „Nebenbei-Selbstständigkeit“ ist gewerbepflichtig

Viele warten „bis ein bisschen Geld reinkommt“, aber rein rechtlich solltest du vor oder spätestens mit Start deiner Tätigkeit anmelden.

Wie melde ich mein Gewerbe an?

Das hängt davon ab, welche Rechtsform du wählst. Schauen wir uns die wichtigsten Varianten an.

Das Einzelunternehmen: Das ist der Klassiker, wenn du alleine startest.

Ablauf:

  1. Du gehst zum Gewerbeamt deiner Stadt oder Gemeinde

  2. Du füllst ein Formular aus (Gewerbeanmeldung) mit:

    • deinen persönlichen Daten

    • deiner Tätigkeit (möglichst konkret)

    • deiner Geschäftsadresse / Betriebsstätte

  3. Du zahlst die Gebühr (meist 40–60 €)

Viele Städte bieten die Anmeldung inzwischen auch online an, schaue hierzu direkt auf der Website deiner Stadt nach.

Die GbR, Gesellschaft bürgerlichen Rechts: Wenn du mit einer oder mehreren Personen zusammen gründest.

Wichtig: Jeder Gesellschafter muss sein Gewerbe einzeln anmelden

  • Ihr gebt an, dass ihr gemeinsam als GbR tätig seid

  • Die Kosten liegen ebenfalls bei ca. 40–60 € pro Person

Der Ablauf ist im Grunde der gleiche wie beim Einzelunternehmen, nur eben mehrfach.

Die GmbH oder UG (haftungsbeschränkt)

Bei Kapitalgesellschaften ist der Start etwas formeller, dafür gibt es Vorteile bei der Haftung.

Die Schritte im Überblick:

  1. Zum Notar gehen und Gesellschaftsvertrag (oder Musterprotokoll bei der UG) beurkunden lassen

  2. Geschäftskonto mit der notariellen Urkunde eröffnen und das Kapital einzahlen:

    • GmbH: mindestens 12.500 € (von 25.000 € Stammkapital)

    • UG: theoretisch ab 1 €, sinnvoll meist mehr

  3. Eintragung ins Handelsregister

    • der Notar übermittelt die Unterlagen

    • du erhältst deine Handelsregisternummer

  4. Gewerbe anmelden

    • erst nach der Handelsregistereintragung

    • beim Gewerbeamt wie bei anderen Rechtsformen auch

    • zusätzlich brauchst du den Handelsregisterauszug und den notariellen Gesellschaftsvertrag

Die Gebühr für die reine Gewerbeanmeldung liegt auch hier bei ca. 40–60 €.

Für die gesamte Gründung solltest du grob rechnen mit:

  • UG: ca. 500–600 €

  • GmbH: ca. 700–1.000 €

(je nach Notar, Register, Umfang der Beratung)

Was passiert nach der Gewerbeanmeldung?

Sobald dein Gewerbe angemeldet ist, läuft im Hintergrund einiges automatisch.

Finanzamt

Du bekommst Post mit dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, den du über ELSTER online ausfüllst (Frist meist ca. 4 Wochen).

Dort gibst du unter anderem an:

  • ob du die Kleinunternehmerregelung nutzen willst (siehe auch hierzu mein Video oder den Blogbeitrag)

  • welche Umsätze du erwartest

  • wie du deine Gewinne ermitteln willst (z. B. EÜR)

Anschließend erhältst du deine Steuernummer (und ggf. eine Umsatzsteuer-ID).

Berufsgenossenschaft (BG)

  • Zuständig für die gesetzliche Unfallversicherung

  • Anmeldung ist Pflicht, auch wenn du alleine arbeitest

  • Beiträge werden relevant, vor allem wenn du Mitarbeitende hast

IHK oder Handwerkskammer

  • Du wirst automatisch Mitglied

  • Mitgliedschaft ist gesetzlich vorgeschrieben

  • Beiträge richten sich nach deinem Gewinn

  • In den ersten Jahren gibt es oft Beitragsbefreiungen für kleine Unternehmen

Agentur für Arbeit (falls Mitarbeitende)

Wenn du Mitarbeiter einstellen willst, brauchst du eine Betriebsnummer.

  • Beantragst du bei der Agentur für Arbeit

  • Wird z. B. für Lohnabrechnungen und Meldungen zur Sozialversicherung benötigt

Tipp zum Schluss: Hol dir Unterstützung

Wenn dir das alles nach viel Bürokratie klingt: Du bist nicht allein damit.

Für einen Steuerberater ist das tägliches Geschäft:

  • Er hilft dir beim Ausfüllen des Fragebogens

  • Er richtet deine Buchhaltung sauber ein

  • Er bewahrt dich vor teuren Fehlern

So kannst du dich auf das konzentrieren, was dir eigentlich wichtig ist: Dein Geschäft aufbauen und Geld verdienen.

Die Selbstständigkeit wirkt am Anfang kompliziert, bis du einmal verstehst, wie klar die Schritte eigentlich sind. Auf meinem Youtube Kanal findest du viele weitere Videos, die dir genau dabei helfen.

Wenn du dir einen ganzheitlichen, klar strukturierten und einfachen Leitfaden von der Ideenfindung bis zum fertigen Businessplan wünschst: Mein Kurs ist genau dafür gemacht. Mehr Infos dazu findest du hier.

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