Wie und wann melde ich ein Gewerbe an?
Du willst ein eigenes Business starten und fragst dich: Was genau ist ein Gewerbe, wann muss ich es anmelden und wie läuft das Ganze eigentlich ab? In diesem Artikel bekommst du einen klaren Überblick über die wichtigsten Schritte, ohne Juristendeutsch und ohne unnötige Verwirrung.
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Wichtiger Hinweis: Diese Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Für individuelle Fragen wende dich bitte an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.
Was ist ein Gewerbe?
Ein Gewerbe ist im Grunde jede selbstständige, auf Dauer angelegte Tätigkeit, die du mit der Absicht betreibst, Gewinn zu erzielen.
Dazu gehören zum Beispiel:
Online-Shops
Dienstleistungen aller Art
Handwerksbetriebe
Beratungsangebote (soweit nicht freiberuflich)
Abgegrenzt wird das von freien Berufen, wie z. B.:
Ärzte
Journalisten
bestimmte Berater
Designer oder Grafiker (unter bestimmten Voraussetzungen)
Freiberufler melden oft kein Gewerbe, sondern sich direkt beim Finanzamt an. Ob du freiberuflich oder gewerblich tätig bist, klärst du im Zweifel mit dem Finanzamt oder einem Steuerberater.
Wann muss ich ein Gewerbe anmelden?
Grundsätzlich gilt: Sobald du regelmäßig Leistungen oder Produkte gegen Geld anbietest, musst du ein Gewerbe anmelden. Egal ob nebenberuflich oder hauptberuflich.
Wichtige Punkte:
Einmalige Verkäufe (z. B. Flohmarkt, Vinted) sind meist kein Gewerbe
Wenn du aber dauerhaft Einnahmen erzielen willst, ist es ein Gewerbe
Auch „Nebenbei-Selbstständigkeit“ ist gewerbepflichtig
Viele warten „bis ein bisschen Geld reinkommt“, aber rein rechtlich solltest du vor oder spätestens mit Start deiner Tätigkeit anmelden.
Wie melde ich mein Gewerbe an?
Das hängt davon ab, welche Rechtsform du wählst. Schauen wir uns die wichtigsten Varianten an.
Das Einzelunternehmen: Das ist der Klassiker, wenn du alleine startest.
Ablauf:
Du gehst zum Gewerbeamt deiner Stadt oder Gemeinde
Du füllst ein Formular aus (Gewerbeanmeldung) mit:
deinen persönlichen Daten
deiner Tätigkeit (möglichst konkret)
deiner Geschäftsadresse / Betriebsstätte
Du zahlst die Gebühr (meist 40–60 €)
Viele Städte bieten die Anmeldung inzwischen auch online an, schaue hierzu direkt auf der Website deiner Stadt nach.
Die GbR, Gesellschaft bürgerlichen Rechts: Wenn du mit einer oder mehreren Personen zusammen gründest.
Wichtig: Jeder Gesellschafter muss sein Gewerbe einzeln anmelden
Ihr gebt an, dass ihr gemeinsam als GbR tätig seid
Die Kosten liegen ebenfalls bei ca. 40–60 € pro Person
Der Ablauf ist im Grunde der gleiche wie beim Einzelunternehmen, nur eben mehrfach.
Die GmbH oder UG (haftungsbeschränkt)
Bei Kapitalgesellschaften ist der Start etwas formeller, dafür gibt es Vorteile bei der Haftung.
Die Schritte im Überblick:
Zum Notar gehen und Gesellschaftsvertrag (oder Musterprotokoll bei der UG) beurkunden lassen
Geschäftskonto mit der notariellen Urkunde eröffnen und das Kapital einzahlen:
GmbH: mindestens 12.500 € (von 25.000 € Stammkapital)
UG: theoretisch ab 1 €, sinnvoll meist mehr
Eintragung ins Handelsregister
der Notar übermittelt die Unterlagen
du erhältst deine Handelsregisternummer
Gewerbe anmelden
erst nach der Handelsregistereintragung
beim Gewerbeamt wie bei anderen Rechtsformen auch
zusätzlich brauchst du den Handelsregisterauszug und den notariellen Gesellschaftsvertrag
Die Gebühr für die reine Gewerbeanmeldung liegt auch hier bei ca. 40–60 €.
Für die gesamte Gründung solltest du grob rechnen mit:
UG: ca. 500–600 €
GmbH: ca. 700–1.000 €
(je nach Notar, Register, Umfang der Beratung)
Was passiert nach der Gewerbeanmeldung?
Sobald dein Gewerbe angemeldet ist, läuft im Hintergrund einiges automatisch.
Finanzamt
Du bekommst Post mit dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, den du über ELSTER online ausfüllst (Frist meist ca. 4 Wochen).
Dort gibst du unter anderem an:
ob du die Kleinunternehmerregelung nutzen willst (siehe auch hierzu mein Video oder den Blogbeitrag)
welche Umsätze du erwartest
wie du deine Gewinne ermitteln willst (z. B. EÜR)
Anschließend erhältst du deine Steuernummer (und ggf. eine Umsatzsteuer-ID).
Berufsgenossenschaft (BG)
Zuständig für die gesetzliche Unfallversicherung
Anmeldung ist Pflicht, auch wenn du alleine arbeitest
Beiträge werden relevant, vor allem wenn du Mitarbeitende hast
IHK oder Handwerkskammer
Du wirst automatisch Mitglied
Mitgliedschaft ist gesetzlich vorgeschrieben
Beiträge richten sich nach deinem Gewinn
In den ersten Jahren gibt es oft Beitragsbefreiungen für kleine Unternehmen
Agentur für Arbeit (falls Mitarbeitende)
Wenn du Mitarbeiter einstellen willst, brauchst du eine Betriebsnummer.
Beantragst du bei der Agentur für Arbeit
Wird z. B. für Lohnabrechnungen und Meldungen zur Sozialversicherung benötigt
Tipp zum Schluss: Hol dir Unterstützung
Wenn dir das alles nach viel Bürokratie klingt: Du bist nicht allein damit.
Für einen Steuerberater ist das tägliches Geschäft:
Er hilft dir beim Ausfüllen des Fragebogens
Er richtet deine Buchhaltung sauber ein
Er bewahrt dich vor teuren Fehlern
So kannst du dich auf das konzentrieren, was dir eigentlich wichtig ist: Dein Geschäft aufbauen und Geld verdienen.
Die Selbstständigkeit wirkt am Anfang kompliziert, bis du einmal verstehst, wie klar die Schritte eigentlich sind. Auf meinem Youtube Kanal findest du viele weitere Videos, die dir genau dabei helfen.
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