Kleinunternehmer oder nicht? Vorsteuerabzug einfach erklärt
Kleinunternehmer-Regelung oder Regelbesteuerung, diese Entscheidung stellen sich viele direkt zu Beginn der Selbstständigkeit.
Dabei geht es im Kern um eine zentrale Frage: Willst du Vorsteuer abziehen oder nicht?
In diesem Beitrag zeige ich dir verständlich, was der Vorsteuerabzug ist, wie er funktioniert und in welchen Situationen die Kleinunternehmer-Regelung sinnvoll sein kann und wann eher nicht.
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Was ist der Vorsteuerabzug?
Wenn du als Unternehmer etwas kaufst, zahlst du in der Regel den Bruttopreis, also Nettopreis plus Umsatzsteuer.
Beispiel:
Du kaufst einen Laptop für 1.190 €
→ 1.000 € netto
→ 190 € Umsatzsteuer (19 %)
Als Regelunternehmer
Du zahlst 1.190 € an den Händler
Du gibst eine Umsatzsteuer-Voranmeldung ab
Du bekommst die 190 € vom Finanzamt zurück
Der Laptop kostet dich effektiv 1.000 €
Das nennt man Vorsteuerabzug.
Als Kleinunternehmer
Du zahlst ebenfalls 1.190 €
Du machst keine Umsatzsteuer-Voranmeldung
Du bekommst nichts zurück
Der Laptop kostet dich 1.190 €
Der Unterschied beträgt hier 190 €. Bei größeren Investitionen summiert sich das schnell.
Wann macht die Kleinunternehmer-Regelung Sinn?
Die Kleinunternehmer-Regelung ist weder automatisch gut noch schlecht. Es kommt darauf an, wer deine Kunden sind und wie hoch deine Ausgaben sind.
Schauen wir uns zwei typische Szenarien an.
Szenario 1: Privatkunden
Angenommen, Max verkauft Online-Kurse und möchte pro Kurs 1.500 € verdienen.
Ohne Kleinunternehmer-Regelung:
Er stellt 1.500 € netto in Rechnung
285 € Umsatzsteuer
= 1.785 € zahlt der Kunde
Die 285 € führt er ans Finanzamt ab. Er behält 1.500 €.
Mit Kleinunternehmer-Regelung:
Er weist keine Umsatzsteuer aus. Er hat nun zwei Möglichkeiten:
Option A: Gleicher Preis wie vorher (1.785 €)
→ Er muss nichts abführen
→ Er behält die kompletten 1.785 €
→ Mehr Gewinn
Option B: 1.500 € Endpreis
→ Er ist günstiger als die Konkurrenz
→ Höhere Abschlusschance
Und was ist mit seinen Ausgaben? Angenommen, Max hat 2.000 € Ausgaben im Jahr (inkl. 320 € Umsatzsteuer).
Als Regelunternehmer bekommt er 320 € zurück. Als Kleinunternehmer nicht, er verliert also 320 €.
Fazit bei Privatkunden: Wenn deine Kunden keine Vorsteuer ziehen können, kann die Kleinunternehmer-Regelung attraktiv sein,
besonders wenn deine Investitionen gering sind.
Szenario 2: Geschäftskunden
Jetzt verkauft Max an Unternehmen, Unternehmen können Vorsteuer ziehen.
Ohne Kleinunternehmer-Regelung:
Rechnung:
1.500 € netto
285 € Umsatzsteuer
= 1.785 €
Der Kunde bekommt die 285 € zurück. Effektive Kosten: 1.500 €.
Mit Kleinunternehmer-Regelung:
Wenn Max 1.500 € berechnet, zahlt der Kunde 1.500 €. Kein Unterschied.
Wenn Max 1.785 € berechnet, zahlt der Kunde effektiv 1.785 €.
→ Er ist teurer als die Konkurrenz.
Fazit bei Geschäftskunden: Die Kleinunternehmer-Regelung bringt keinen echten Preisvorteil.
Die Entscheidung hängt hier hauptsächlich von deinen eigenen Ausgaben ab.
Verzicht auf die Kleinunternehmer-Regelung
Auch wenn du unter den Umsatzgrenzen bleibst, kannst du freiwillig auf die Kleinunternehmer-Regelung verzichten.
Wichtig: Diese Entscheidung bindet dich in der Regel für fünf Jahre.
Das solltest du nur tun, wenn du sicher bist, dass sich der Vorsteuerabzug für dich lohnt.
Buchhaltung: Mit oder ohne Kleinunternehmer?
Egal wie du dich entscheidest, Buchhaltung musst du immer machen.
Als Kleinunternehmer:
Meist reicht eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung
Keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen
Verwaltungsaufwand geringer
Als Regelunternehmer:
Umsatzsteuer-Voranmeldungen monatlich oder quartalsweise
Vorsteuer erfassen
Klare Dokumentation notwendig
In diesem Fall ist eine Buchhaltungssoftware praktisch unverzichtbar.
Welche Option ist richtig?
Es gibt keine Pauschalantwort, die entscheidenden Fragen sind:
Wer sind deine Kunden? Privat oder Unternehmen?
Wie hoch sind deine Investitionen?
Willst du Verwaltung möglichst gering halten?
Planst du größere Anschaffungen?
Wenn du unsicher bist, lass deine Situation von einem Steuerberater durchrechnen. Eine saubere Entscheidung am Anfang spart dir später viel Geld und Aufwand.
Die Selbstständigkeit wirkt am Anfang kompliziert, bis du einmal verstehst, wie klar die Schritte eigentlich sind.
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