Wie mache ich mich im Handwerk selbstständig?
Du arbeitest im Handwerk und spielst schon länger mit dem Gedanken, dich selbstständig zu machen?
Egal ob Geselle, Meister oder Quereinsteiger: Der Weg in die Selbstständigkeit im Handwerk folgt klaren Regeln und vor allem einer entscheidenden Reihenfolge.
In diesem Beitrag gehen wir Schritt für Schritt durch, wie du dich im Handwerk selbstständig machst, welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest und warum du sonst bares Geld (in Form von Förderungen) verschenkst.
1. Definiere deine Nische, bevor du irgendetwas anmeldest
Der erste Schritt klingt banal, ist aber entscheidend: Was genau willst du machen?
Dabei geht es nicht darum, dein Gewerk zu wechseln. Es geht um Fokus innerhalb deines Handwerks. Beispiele:
KFZ-Meister
→ Tuning von Sportwagen
→ Spezialisierung auf bestimmte Marken
→ Pannendienst im Reisegewerbe
Maler
→ hochwertige Spachteltechniken
→ Altbau-Aufbereitung
→ Sanierungen statt Neubau
Warum das so wichtig ist: Als Allround-Handwerker konkurrierst du mit jedem. Als Spezialist wirst du gezielt gesucht und kannst höhere Preise durchsetzen.
Du kannst später immer noch andere Aufträge annehmen. Aber Positionierung sorgt dafür, dass Kunden dich finden.
2. Förderungen prüfen, unbedingt VOR der Gewerbeanmeldung
Jetzt kommt ein Punkt, bei dem viele etwas falsch machen. Bevor du dein Gewerbe anmeldest, prüfst du mögliche Förderungen.
Zum Beispiel:
Meistergründungsprämie
regionale Förderprogramme
Zuschüsse der Bundesländer
Dein erster Ansprechpartner ist hier fast immer die Handwerkskammer (HWK). Viele Kammern begleiten dich auf Wunsch auch durch den Gründungsprozess.
Ganz wichtig: Meldest du dein Gewerbe zu früh an, verfällt dein Anspruch auf viele Förderungen.
Die Meistergründungsprämie kann, je nach Bundesland, bis zu 10.000 € betragen.
Wichtig zu wissen: Die HWK berät und unterstützt, sie erledigt es aber nicht für dich. Für Kredite und Förderungen brauchst du in der Regel einen Businessplan.
3. Finanzierung klären
Wenn klar ist:
was du machst
in welcher Nische
welche Förderungen möglich sind
geht es, falls nötig, zur Bank. Brauchst du kein Fremdkapital und kannst alles aus Eigenmitteln stemmen, kannst du diesen Schritt überspringen.
Der Businessplan hilft dir hier doppelt:
für Gespräche mit Banken
für deinen eigenen Überblick (Anschaffungen, Kosten, Liquidität)
4. Gewerbeanmeldung, erst nach Genehmigung der Zuschüsse
Jetzt, und wirklich erst jetzt, meldest du dein Gewerbe an. Warum diese Reihenfolge so entscheidend ist? Weil viele Förderungen nur greifen, wenn du zum Zeitpunkt der Antragstellung noch nicht selbstständig bist.
5. Eintragung in die Handwerksrolle
Im Handwerk ist oft zusätzlich eine Eintragung in die Handwerksrolle erforderlich. Das ist das offizielle Verzeichnis aller Handwerksbetriebe.
Wann ist die Eintragung Pflicht?
Meisterpflichtige Gewerke: immer
(z. B. Elektriker, Sanitär, Heizung, Friseur, Bäcker)Handwerksähnliche Gewerke: freiwillig
(z. B. Fliesenleger, Gebäudereiniger)
Was brauchst du?
Meisterbrief oder Ausnahmeregelung
Personalausweis
Führungszeugnis (max. 3 Monate alt)
Gewerbeanmeldung
Kosten:
Einmalige Eintragungsgebühr: 100–300 €
Jährlicher Kammerbeitrag: 50–400 € (umsatzabhängig)
Mein Tipp: Auch wenn der Eintrag freiwillig ist, lohnt er sich oft. Viele Kunden suchen gezielt über die HWK nach „echten“ Handwerksbetrieben.
Ohne Eintrag wirst du dort nicht gefunden.
6. Berufsgenossenschaft, Pflicht auch für Ein-Mann-Betriebe
Letzter, aber extrem wichtiger Punkt: die Berufsgenossenschaft (BG). Die Anmeldung ist gesetzlich verpflichtend, auch wenn du alleine arbeitest.
Warum das so wichtig ist:
Ohne BG bist du bei Arbeitsunfällen nicht versichert
Nachträgliche Anmeldung führt zu Nachzahlungen + Bußgeld
Die BG kontrolliert das und findet es früher oder später heraus
Welche BG ist zuständig?
Bau-BG: Maurer, Dachdecker, Maler, Fliesenleger
Holz & Metall-BG: Tischler, Zimmerer, Schlosser
ETEM: Elektriker, Elektroniker
BGW: Friseure, Kosmetiker
Ablauf
Die BG wird automatisch über deine Gewerbeanmeldung informiert und schickt dir Unterlagen. Du füllst den Fragebogen aus und schickst ihn zurück.
Kosten
Mindestbeitrag ca. 120–200 € pro Jahr
Bei Ein-Mann-Betrieben oft Pauschalbeträge
Steigt mit Mitarbeitern und Lohnsumme
Tipp: Du kannst dich freiwillig als Unternehmer zusätzlich absichern. Gerade im Handwerk sinnvoll, denn ein Unfall kann sonst existenzbedrohend werden.
Warum die richtige Reihenfolge entscheidend ist
Siehst du, wie schnell Fehler passieren können?
Gewerbe zu früh anmelden → Förderungen verloren
BG vergessen → Nachzahlungen & Bußgeld
Handwerksrolle ignorieren → Ordnungswidrigkeit
Das kostet Zeit, Nerven und Geld, obwohl es komplett vermeidbar ist.
Und danach kommen erst die wirklich entscheidenden Fragen:
Wie kalkulierst du deine Preise richtig?
Wie findest du systematisch Kunden?
Welche Versicherungen brauchst du wirklich?
Wie organisierst du deine Buchhaltung sinnvoll?
Genau für diese Themen habe ich meinen Videokurs entwickelt, mit Checklisten, Vorlagen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen speziell für Gründer.
Keine Rechtsberatung. Angaben unverbindlich und ohne Gewähr.